Gemeinsam alleine! Wir Kurrendaner in der Krise

 
 
   “Ich halte nichts vom Recht des Menschen auf Arbeit; ich halte es lieber für das größte Recht des Menschen, nichts zu tun.”
Dieses Zitat stammt von Gioachino Rossini (1792 – 1868), von dem die Wuppertaler Kurrende in knapp drei Wochen die “Petite Messe Solennelle” aufgeführt hätte. Wenn Rossini gewusst hätte, dass viele seiner Aufführungen dem von ihm so geliebten “nichts tun” zum Opfer fallen würden, hätte er das Recht auf Arbeit vielleicht höher bemessen. Die bezeichnete Arbeit drückt sich in unserem Falle viel mehr in Freude am gemeinsamen Singen aus. So war es geplant, diese Freude im nächsten Monat mit dem Knabenchor der Jenaer Philharmonie zu teilen. Jena führte als erste Stadt in Deutschland die Mundschutzpflicht ein – damit wäre Singen in jedem Fall komplizierter geworden.

Start-Bild und letztes Bild des Freizeitfilm-Livestreams

Start-Bild und…

…letztes Bild des Freizeitfilm-Livestreams.

Im internen Bereich der Kurrende, welcher hauptsächlich für die Sänger auf unserer Internetseite zugänglich ist, wurde am vergangenen Freitag der Film der Sommerfreizeit 2019 per Livestream gezeigt – vor allem bei diesen Bildern wurde offensichtlich, was die Kurrende neben der Musik besonders auszeichnet: Die Gemeinschaft! Doch wenn diese Gemeinschaft auf einmal für eine gewisse Zeit nicht mehr zweimal die Woche gelebt werden kann, lassen sich auch neue Wege finden: Einer dieser Wege ist, sich umzuhören und zu fragen, womit sich die engsten Freunde, Knaben und jungen Männerchoristen in ihrer schul- und vor allem Kurrende-freien Zeit beschäftigen. Auch unser musikalisches Team haben wir gefragt und haben eine großartige Vielfalt an Antworten erhalten, wie jeder Kurrendaner die Kontaktvermeidung überlebt – und dennoch der Musik treu bleibt. Danke, dass ihr uns so an Eurem Alltag teilhaben lasst!

Was machen wir während der Corona-Epidemie?

Wir haben uns bei den Kurrendanern umgehört, was sie aktuell beschäftigt.

“Klavierunterricht per Skype, Chaos, Kochen, PS4 spielen, Fahrrad fahren, Star Wars und Federball spielen, in den Wald gehen, die Katze streicheln, den Hamster füttern, die Schnecken beobachten und den Fischteich sauber machen.”

Valentin (8) – Chorschule

“In meiner sing- und schulfreien Zeit habe ich natürlich meine Schularbeiten gemacht, bin so viel Trampolin gesprungen, dass gestern das Sprungtuch gerissen ist. Letzte Woche habe ich ein YouTube Video aufgenommen, das war sehr spannend. Ich hatte auch Onlineunterricht, Schlagzeug und Stimmbildung. Den Rest der Zeit hab ich mit Zocken verbracht.”

Aaron (10) – Sopran

„In meiner sing- und schulfreien Zeit bin ich eigentlich nur zu Hause, mache was für die Schule und zocke ab und zu!“

Hugo (11) – Sopran

„Neben den üblichen Dingen wie Hausaufgaben und Lernen für die Schule, habe ich das gute Wetter genutzt, um auf der Terrasse Stöcke zu schnitzen. Donnerstags habe ich über Skype Gitarrenunterricht. Ungestört habe ich jetzt auch mal meine CDs gehört, wobei mein Vater und ich oft Fußball gespielt haben.”

Can (10) – Sopran

„Also ich mache anstatt Kurrende viel mit meiner Familie – denn viel mehr Auswahl habe ich ja im Moment nicht…“

Darren (11) – Alt

“Zauberflöte üben, Briefmarken sortieren, im Haus Fußball spielen und damit meine Familie nerven, Cello spielen, im Garten oder Wald herumklettern und ausschlafen.“

Bavo (13) – Sopran

„Neben der Kurrende spiele ich Querflöte und versuche deswegen mehr Sport zu machen und jeden zweiten Tag joggen zu gehen. Ansonsten spiele ich mit meiner Familie sehr viele Gemeinschaftsspiele und gucke Filme. Ab und zu machen wir aber alle zusammen Essen. Zum Beispiel selbst gemachte Nudeln oder Waffeln.“

Pablo (13) – Alt

„In meiner sing- und schulfreien Zeit bin ich damit beschäftigt, nicht der vollständigen Lethargie zu verfallen. Zuallererst mache ich meine Schulaufgaben, aber nach keinem festen Zeitschema, sondern dann, wenn’s mir gerade passt. Ich finde die damit einhergehende Selbstständigkeit schön, bräuchte allerdings mal wieder ein bisschen realen sozialen Kontakt außerhalb der eigenen vier Wände. Allgemein komme ich gut klar. Für meinen Bruder Lukas, der bei den Spatzen singt, ist die momentane Situation ebenfalls okay!“

Béla (14) – Alt

„In meiner sing- und schulfreien Zeit widme ich mich der Schule wegen der baldigen zentralen Prüfungen der zehnten Klasse. Sonst vertreibe ich mir mit Computerspielen die Zeit oder höre mir Musik an.“

Gerrit (15) – Alt

„Trotz der sing- und schulfreien Zeit, widme ich mich weiterhin mehreren Hobbys: Da wären zum einen das Klavierspielen und Sport – Leichtathletik anhand eines persönlichen Trainingsplans – aber ich nutze die Zeit auch, um viel zu lesen und vertreibe Sie mir durch bloßes Entspannen in der Natur!“

Georg (14) – Bass

„In meiner sing- und schulfreien Zeit gehe ich sehr gerne nach draußen Sport treiben: zum Beispiel Laufen. Ich jogge fast jeden Tag acht Kilometer und trainiere danach noch etwas. Außerdem arbeite ich zurzeit sehr viel für die Schule, um mit dem Stoff mitzukommen, damit ich, wenn wir wieder in die Schule gehen, keinen Hänger habe, sondern gut mitarbeiten kann. Abends schaue ich, was meine Freunde so treiben und unterhalte mich etwas mit ihnen. Währenddessen schaue ich meistens Fernsehen oder höre Musik.“

Pascal (15) – Tenor

„In meiner sing-, sport- und schulfreien Zeit versuche ich meine Kontakte zu Freunden und Großeltern weiterhin zu halten und zu pflegen. Ich widme mich dem Klavierspielen durch Online-Unterricht genauso wie dem Singen durch Online-Stimmbildung. Ich versuche mich weiterhin durch Joggen oder Fahrradfahren fit zu halten, obwohl ich mich leider auch einigen Hausaufgaben widmen muss.“

Finn (16) – Bass

„Das mache ich statt Kurrende: Ich übe jeden Tag circa zwei Stunden Klavier und eine Stunde Gesang. Ich koche täglich und probiere neue Gerichte aus. Zwei bis drei Mal wöchentlich jogge ich 20 Minuten. Das mache ich in der Früh, um wenige Personen zu treffen!“

Ricardo Navas – Stimmbildner

„Tatsächlich habe ich aktuell keine festen Termine und kann mir meine Zeit komplett frei einteilen. Das genieße ich sehr. Jeden Morgen frühstücke ich in Ruhe an einem sonnigen, warmen Plätzchen, nachmittags mache ich gerne lange Spaziergänge oder laufe am Rhein entlang, um neue Ecken und Parks in Köln kennenzulernen. Die übrige Zeit wird allerdings produktiv gefüllt: eigenes Üben, Planung und Umsetzung von Online-Videos und digitaler Stimmbildung und das Ausprobieren neuer Rezepte. Ansonsten war mein Wochenhighlight definitiv die Freizeitfilm-Übertragung letzten Freitag.“

Laura Cichello – Stimmbildnerin

„Ja, dies ist schon eine verrückte Zeit. Wir zuhause können uns in diesen Tagen des sparsamen direkten sozialen Kontakts mit unserem Quartier in der Lüntenbeck sehr glücklich schätzen! Haben wir doch am Haus einen kleinen Garten und das Schloss mit Wald in nächster Nähe. Als fünfköpfige Familie ist dieses ständige Zusammensein natürlich eine Herausforderung. Wir nutzen dies einfach als Chance, Zeit füreinander zu haben. Manchen Morgen beginnen wir mit einem Frühspazierang in den Wald. Mit etwas Glück sehen wir dabei Hasen und Rehe. Neulich haben wir schönes getrocknetes Schilfgras entdeckt und uns daraus immer wieder Schilfrohrpfeifen geschnitzt. Für die Bereicherung der Küche gibt es die Spaziergänge zu einer Wiese mit schönem Bärlauch. Alle drei Kinder genießen es, täglich beim Klavierüben Zeit ganz mit mir allein zu verbringen. Auch das Vorlesen (im Moment sind die Bücher mit dem Wolf „Yaruk“ hoch im Kurs) pflegen wir intensiv.

Und natürlich bin ich täglich mit den Gedanken bei der Kurrende. Ich arbeite an neuen Konzertprogrammen, lese Fachliteratur und übe Klavier.

Nun hoffe ich, dass wir bald wieder alle zusammen sein können!“

Markus Teutschbein – Musikalischer Leiter

Wir hoffen, es geht Ihnen gut und wir können uns schon bald wiedersehen! Bleiben Sie gesund und frohe Ostern! ❤️

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