Jetzt liegt das erste große Konzert-Highlight des Jahres schon wieder zwei Wochen zurück: Die Johannes-Passion von Bach. Zeit also für einen kurzen Rückblick auf dieses spannende Projekt und drei schöne Konzerte.
 
Kurz vor den Sommerferien des letzten Jahres kam Chorleiter Markus Teutschbein erstmals mit der Idee um die Ecke: Wie wäre es, wenn wir bei den Passionskonzerten 2018 die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufführen? Er war erst seit einigen Wochen Chorleiter der Kurrende, doch schon früh war ihm klar: Dieses große Meisterwerk der Musikgeschichte kann dieser Chor schaffen! Und so fuhr auf die Sommerfreizeit in Schönau neben all den üblichen Freizeit-Utensilien noch ein weiterer Karton mit, angefüllt mit blauen Notenbänden: Die Johannes-Passion. Bei strahlendem Sonnenschein und dem Pool in Sichtweite wurden die ersten Grundlagen gelegt und so klang “Herr, unser Herrscher” oder “Lasset uns den nicht zerteilen” über die Freizeitanlage in der Pfalz.
 
Im Herbst gewannen dann erstmal wieder andere Dinge Priorität: Die anstehenden Quempas-Konzerte, der Sieg vom Männerchor beim Landeschorwettbewerb Nordrhein-Westfalen, … Doch hinter den Kulissen liefen die Drähte heiß: Schließlich braucht die Passion nicht nur einen Chor, sondern auch gute Solisten. Mit Thomas Laske und Dorothea Brandt waren bald zwei prominente Wuppertaler gewonnen, die lange Jahre Ensemble-Mitglied bei den Wuppertaler Bühnen waren, heute international erfolgreich und dabei zugleich der Kurrende treu verbunden sind. Einer der beiden vermittelte den Kontakt zu Andreas Post, einem renommierten Evangelisten. Dazu kamen mit Johannes Wedeking und Andra Isabel Wildgrube noch zwei junge Stimmen aus dem Raum Nordrhein-Westfalen. Mit dem Düsseldorfer Barockorchester konnte zudem ein Ensemble der Historischen Aufführungspraxis gewonnen werden – für Chorleiter Markus Teutschbein ein absoluter Glücksfall.
 
Eine zweite Frage stand ebenfalls bald schon im Raum: Den ganzen Aufwand nur für ein einziges Konzert in Wuppertal? Und ebenso schnell war man sich einig: Nein, wir wollen den Jungs auch die Chance geben, dieses große Werk mehr als einmal zu präsentieren. Dann lohnt sich der Aufwand der Einstudierung gleich doppelt. Und so wurden zwei weitere Konzerte fixiert, in Köln und in Brühl.
 
Die Monate Januar und Februar standen dann ganz im Zeichen der finalen Einstudierung. In intensiven und spannenden Proben wurde der letzte Schliff an Bachs Musik gelegt, Koloraturen und Absprachen geübt oder Choral-Phrasierungen besprochen. Ebenso wichtig war Chorleiter Markus Teutschbein aber auch, den Kindern und Männern den Inhalt der Johannes-Passion nahezubringen: Was bedeuten diese beinahe 300 Jahren alten Texte eigentlich genau? Und was hat das mit unserem Leben heutzutage zu tun?
 
So flog die Zeit dahin und ehe man sich versah, war Donnerstag, der 8. März da: Die Generalprobe in der Friedhofskirche. All die Arbeit der letzten Wochen und Monate floss plötzlich zusammen, das Orchester gab der Musik neue Tiefe und so konnte man getrost dem ersten Konzert entgegensehen: Das führte uns am Freitag in den Kölner Norden, in die dortige Kirche St. Bernhard. Dort gab es ein Wiedersehen mit Maria Bennemann, die früher lange Jahre die Vorchöre der Kurrende leitete und nun dort Kirchenmusikerin ist.

Doch der Freitagmorgen begann erst einmal mit großer Unruhe: Andreas Post, der den Evangelisten singen sollte, musste sich leider kurzfristig krankmelden. Eine Erkältung machte es ihm unmöglich, die umfangreiche Partie zu singen. Doch eine gute Alternative war glücklicherweise schnell gefunden: Andreas Post hatte nämlich bereits in seinem Bekanntenkreis herumtelefoniert und gefragt “Wer kann heute, morgen und übermorgen mal eben bei drei Konzerten als Evangelist in der Johannes-Passion einspringen?” Der Ersatz: Max Ciolek. Ein alter Bekannter, denn der renommierte Evangelist hatte schon vor 20 Jahren die Johannes-Passion mit der Wuppertaler Kurrende aufgeführt. Damals noch unter Heinz Meier – einen CD-Mitschnitt finden Sie übrigens in unserem Shop (Link).Ein für den Freitag geplanten Zahnarzt-Termin verschob Ciolek kurzfristig auf Montag Nachmittag und setzte sich dann in Osnabrück in sein Auto und fuhr nach Köln. So war die Erleichterung groß, als klar war: Die Konzerte sind gesichert. Denn einen Evangelisten dieser Güteklasse findet man nicht unbedingt direkt.

Und zum ersten Mal entfaltete sich in Köln der Zauber der Johannes-Passion im Konzert, von den aufwühlenden ersten Takten des Eingangschores bis hin zu den erlösenden letzten Takten, die schon Richtung Ostern blicken. Das Kölner Publikum dankte es nach einer Minute der Stille mit langen Standing Ovations.

Am Samstag hieß es dann: Heimspiel! In der Elberfelder Friedhofskirche fand das Wuppertaler Konzert mit der Johannes-Passion statt. Und schon eine Stunde vorher versammelten sich viele interessierte Konzertbesucher vor der Friedhofskirche, um die besten Plätze zu ergattern. Auch die Abendkasse brummte noch einmal, und so war die Friedhofskirche am Ende gut gefüllt. Im Vergleich zum Vortag steigerte sich der Chor noch einmal, und das umsichtige Dirigat von Markus Teutschbein sorgte dafür, dass der Spannungsbogen durch die zwei Stunden hindurch nie abriss – und dabei trotzdem Raum für Momente der Ruhe und Stille war. Das gefiel auch der lokalen Presse. Die Westdeutsche Zeitung schrieb: “Stehende Ovationen waren der berechtigte Dank für eine rundum schlüssige und spannende Aufführung dieser berühmten Passionsvertonung”. Und so hieß es am Ende auch hier: Erst andächtige Stille nach den letzten Akkorden, dann tosender Applaus für die beeindruckende Leistung der jungen Sänger.
 
Am Sonntag ging es dann für den letzten Streich nach Brühl. Direkt neben dem malerischen Schlosspark liegt die Christuskirche und einmal mehr begeisterten die Kurrendaner, das Düsseldorfer Barockorchester sowie alle Solisten das Publikum mit der Passionsgeschichte. So ging ein anstrengendes, aber zugleich unglaublich erfüllendes Wochenende zu Ende. Nach zehn Jahren hat die Wuppertaler Kurrende wieder die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt, zugleich auch ein dickes Ausrufezeichen des neuen Chorleiters Markus Teutschbein in seinem ersten Großprojekt. Und so wie man hört, plant die Kurrende auch bereits für das Passionskonzert 2019.