Mit sechs Jahren kam Wingard zur Wuppertaler Kurrende. Wie alle anderen in Wuppertals Knabenchor auch war er am Anfang einfach ein Junge, der zu Hause gerne sang. Bei der Kurrende lernte er die Grundlagen dahinter: Über einen spielerischen Zugang lernte er die Tonnamen, die Tonhöhe zu halten und auf einen großen Atem schöne lange Linien zu singen. Doch die Jungs erhalten nicht nur eine profunde musikalische Ausbildung. Wie nebenbei trainiert die Musik auch noch die Selbstwahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, Frustrationstoleranz und Sozialverhalten der kleinen Sänger.

Mit knapp zehn Jahren kam Wingard dann in den Konzertchor. Dort stehen regelmäßig große Konzerte und Tourneen auf dem Programm. Wie für seine anderen Mitsänger auch ist ihm die Kurrende in der Zwischenzeit zur zweiten Heimat geworden: Vor und nach den Proben wird gemeinsam Fußball gespielt, und wie selbstverständlich bezeichnet sich auch Wingard als Kurrendaner.

Doch irgendwann merkte Wingard, dass ihm zwei Proben und eine Tournee pro Jahr nicht mehr reichen. Und so kommt es gerade – bei aller Liebe zur Kurrende – gerade zu großen Veränderungen in Wingards Leben. Das W als erster Buchstabe seiner Stadt bleibt gleich. Doch sonst ändert sich für Wingard gerade fast alles. Er ist aufgenommen worden bei den renommierten Wiener Sängerknaben und absolviert dort momentan seine Probezeit. Das heißt: Fort aus Wuppertal und von den Eltern, hin in die österreichische Hauptstadt. Die Wiener Sängerknaben sind weltberühmt, auf ihren Tourneen von Japan bis in die USA verzaubern sie regelmäßig das Publikum.

Eine Person kennt Wingard in Wien aber schon: Seinen älteren Bruder Lennart, der bereits seit zwei Jahren Mitglied der Wiener Sängerknaben ist. Als die Sängerknaben im Dezember 2016 ein Konzert in der Wuppertaler Stadthalle gaben, hatte der junge Kurrendaner den Mut, anschließend den Wiener Chorleitern vorzusingen: Und siehe da: Er wurde genommen. Die vielen Tourneen und Konzerte sind für ihn mittlerweile zur vertrauten Gewohnheit geworden. Pressesprecherin Tina Breckwoldt: „Das wird hier schon erwartet, aber das kann er auch, er hat halt schon viel mitgebracht.“

Anders als die Kurrende sind die Wiener Sängerknaben ein Internatschor. Das heißt: Die Jungs wohnen nicht zu Hause, sondern gemeinsam in einem Internat. Jeden Tag steht nach der Schule eine Probe an. Aber die Sänger haben auch viel Freizeit, und dann steht für Lennart und seine Mitsänger eines im Mittelpunkt: Vor allem viel Sport. Fußball, Tischtennis — das war ja auch in der Kurrende schon sehr angesagt.“

Bei einem solchen Tagesablauf werden die vielen Konzerte und Reisen schnell zur Gewohnheit. Etwas Außergewöhnliches passierte aber letztes Jahr: Lennart erhielt den wichtigsten Kulturpreis der Stadt Wuppertal, den Christa und Enno Springmann-Preis. Erstmals wurde auch ein Nachwuchspreis vergeben, und Lennart war der erste Preisträger. Die Preisverleihung in der Wuppertaler Stadthalle war für ihn dabei weniger aufregend als für die anderen Preisträger, schließlich kannte er die Bühne der Stadthalle schon durch die Auftritte mit der Kurrende. 

Überhaupt: Wenn sich im Kalender der Wiener mal ein kleines Fenster öffnet und keine Konzerte auf dem Programm stehen, zieht es die beiden Jungs natürlich nach Wuppertal. Zurück zu den Eltern – aber auch zurück zur Kurrende! Dass sie Wuppertals Knabenchor ein wenig vermissen, wird vor allem bei Wingard schnell deutlich: Auch in Wien trägt er häufig und stolz seinen „Kurrendaner!“-Hoodie. Seine Mitsänger von Neuseeland bis Kanada wussten damit erst einmal nichts anzufangen – jetzt kennen sie auch Wuppertals Knabenchor. Da hatte Wingard bis jetzt Lennart etwas voraus: Weil es den Hoodie erst 2018 als Weihnachtsgeschenk für die Kurrendaner gab, besaß Lennart keinen. Ein Missstand, der jetzt behoben wurde: Ab sofort laufen zwei „Kurrendaner!“ durch Wien!

Für die Wuppertaler Kurrende sind die beiden Kurrendaner in Wien und die Auszeichnung von Lennart mit dem Christa und Enno Springmann-Preis eine willkommene Bestätigung ihrer musikalischen Arbeit – auch wenn die beiden Abgänge natürlich zuerst schmerzten. Chorleiter Markus Teutschbein: „Natürlich habe ich zuerst ein wenig schlucken müssen, als ich gehört habe, dass uns jetzt bereits der zweite Sänger in kurzer Zeit zu den Wiener Sängerknaben verlässt. Aber dann freut es uns für die Jungs, die dort noch einmal ganz andere Möglichkeiten haben, die Welt musikalisch zu erkunden. Und ein klein wenig Stolz auf unsere eigene Ausbildungsarbeit ist natürlich auch dabei, klar.“

Wer vielleicht in die Fußstapfen von Wingard und Lennart treten möchte: Die Wuppertaler Kurrende ist stets auf der Suche nach Jungs, die gerne singen! Denn entgegen aller Klischees muss man kein fertiger Opernstar sein, wenn man bei der Kurrende anfangen möchte: Es reicht tatsächlich aus, einfach gerne zu singen! Und wer Wuppertal und das Bergische Land nicht verlassen will: Auch mit der Kurrende kann man die Welt musikalisch erkunden. Im letzten Jahr war die Kurrende auf Tournee in Dänemark unterwegs, in diesem Herbst steht eine Tournee nach Frankreich und in die Schweiz auf dem Programm.

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