Sternstunde zweier Knabenchöre
Es war ein Konzertabend, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird: Erstmals gastierte der weltberühmte Thomanerchor Leipzig auf Einladung der Wuppertaler Kurrende in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Rund 130 junge Sänger standen schließlich gemeinsam auf der Bühne – und machten den Abend zu einer außergewöhnlichen musikalischen Begegnung zweier traditionsreicher Knabenchöre.
Der Thomanerchor, dessen Geschichte bis ins Jahr 1212 zurückreicht und der untrennbar mit Johann Sebastian Bach verbunden ist, präsentierte unter der Leitung von Thomaskantor Andreas Reize seine herausragende Klangkultur. Stilistische Vielfalt, große klangliche Homogenität und außergewöhnliche musikalische Präzision prägten den Auftritt der Leipziger Sänger.

Auch die Wuppertaler Kurrende unter der Leitung von Lukas Baumann zeigte eindrucksvoll, welche musikalische Entwicklung der Chor in den vergangenen Jahren genommen hat. Mit Werken von Knut Nystedt, Randall Stroope und Jack Halloran überzeugten die Sänger mit warmem Chorklang, differenzierter Dynamik und großer Ausdruckskraft.
Die Westdeutsche Zeitung würdigte den Konzertabend als „klangvolle Glanzleistung zweier stimmstarker Chöre“. Besonders hervorgehoben wurden bei der Kurrende ein „großartig tragfähiges Pianissimo“, „stimmliche Eleganz und Präzision“ sowie beim Thomanerchor die „homogene, stimmgewaltige und intonationsreine Klangkultur“.
Gemeinsam auf der Bühne
Den Höhepunkt des Abends bildete das gemeinsame Musizieren beider Chöre. Rund 130 Sänger vereinten sich zu einem großen Knabenchor und interpretierten Werke der Chorliteratur mit beeindruckender Geschlossenheit. Der gemeinsame Klang blieb dabei trotz der außergewöhnlichen Größe schlank, kultiviert und transparent – eine besondere musikalische Erfahrung für Sänger und Publikum gleichermaßen.

Auch abseits der Musik wurde die Begegnung zu einem besonderen Erlebnis. Im Mittelpunkt stand die Verabschiedung der Abiturienten des Thomanerchores, für die mit diesem Konzert ihre Zeit als Thomaner endete. Als Zeichen der Verbundenheit überreichten Sänger der Wuppertaler Kurrende jedem Abiturienten eine Sonnenblume.

Die Geste hatte eine besondere Symbolkraft: Beim Thomanerchor ist es Tradition, dass neu aufgenommene Sänger zu Beginn ihrer Chorzeit gemeinsam mit dem Thomaskantor eine Sonnenblume am Grab Johann Sebastian Bachs in der Thomaskirche niederlegen. In Wuppertal schloss sich nun gewissermaßen der Kreis.